Orientierung 2007 - Chlauseslä Unterägeri - Brauchtum im Ägerital

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Vorweihnächtliches Brauchtum in Unterägeri



Es handelt sich nicht um "normalen" Lärm, wenn es nach Allerheiligen jeweils am späteren Nachmittag bis in die Nacht hinein hier und dort im Dorf zu knallen beginnt. Ein Teil unserer Volkskultur ist wieder am Erwachen.


Junge Leute pflegen einen alten Ägerer Brauch. Sie üben sich im Geislächlepfä, das heisst, sie lassen Schafgeisseln knallen. Das Geislächlepfä ist fester Bestandteil eines St. Nikolaus-Brauchtums, wie es in machen Orten der Innerschweiz bis heute gepflegt wird. Es geht zurück auf die wilden Chlausjagden und Nachtlärmbräuche, die seit dem Mittelalter bezeugt sind. Im 20. Jahrhundert erfuhren viele dieser urtümlichen und ungestümen Bräuche eine Zähmung, und das christlich-religiöse Element erhielt grösseres Gewicht. Das angsteinflössende Treiben der wilden Horden trat in den Hintergrund. Im Zentrum steht jetzt der Lichtzauber der in friedlichen Umzügen durch die nächtlichen Strassen getragenen Iffälä. So werden die übergrossen, kunstvollen und leuchtenden Bischofsmitren (Infuln) genannt. Dieser Bezug zum heiligen Bischof Nikolaus von Myra, dem Samichlaus, wird auch dadurch unterstrichen, dass heute jeweils für karitative Zwecke Geld gesammelt wird. Trotz dieser "Verschönerung" und Einschränkung der einst wilden Aktivitäten blieb das Geislächlepfä zum Glück erhalten, denn es stellt wohl das ursprünglichste Element aller dieser St. Nikolaus-Bräuche dar. Im Ägerital heisst der Brauch Chlauseslä. Er lässt sich bis ins 16. Jahrhundert zurückverfolgen und wird in Unter- und Oberägeri in je eigener Ausgestaltung durchgeführt. Das Chlauseslä findet am Vorabend von St. Nikolaus, also am 5. Dezember, statt.

Am Nachmittag
ziehen die Kinder in Grüppchen von Haus zu Haus und erbitten sich mit dem Ruf  und kräftigem Läuten der mitgetragenen Glocken eine kleine Gabe. Als Naturalien willkommen sind eine Handvoll Nüsse, Mandarinen, Lebkuchen, Schokolade, Bonbons, Guetzli... eine Gabe in Form von Geld sollte maximal 50 Rappen betragen. Am Abend gehen dann die grossen "Chlausesel"-Rotten durchs Dorf. Eine Rotte umfasst den Samichlaus mit seinen Schmutzli, Iffälä Träger, Triichler, Kuhhornbläser und Chlauseselträger. Der Chlaus-esel, der dem Brauch seinen Namen gibt, besteht aus einem hölzernen Esel-ähnlichen Kopf auf einer Holzstange, mit grossem auf und zu klappbaren Maul.

Zu jeder Rotte gehören schliesslich auch einige Geislächlepfer. Vor den Häusern werden die Triichlä an ihren Jochs kraftvoll bewegt und zum Klingen gebracht und die Bläser entlocken den Kuhhörnern urige Töne. Der Chlaus erbittet von den Leuten eine Gabe. Den ganzen Abend knallen die Schafgeisseln. Am späten Abend
ziehen die verschiedenen Rotten gemeinsam zum Dorfplatz. Während sie den Platz mehrmals umrunden, knallen nochmals alle Geislächlepfer und die Triichler erzeugen mit ihrem Klopfen eine schaurig schöne Geräuschkulisse.

An diesem beeindruckenden Brauch arbeiten jedes Jahr etwa 200 Leute mit Liebe und Fleiss. Die einen bauen Iffälä, die anderen flechten ihre Geisseln und üben das Chlepfä. Alle, die es einmal versucht haben, wissen, dass es viel Training und Kraft braucht, bis man das scharfe, rhythmische Knallen beherrscht. Deshalb chlepft es im Dorf schon Wochen vor dem 5. Dezember. Es ist Ausdruck eines lebendigen, Jahrhunderte alten Brauchtums, das von Generation zu Generation weitergetragen wird, ein Brauchtum, das es in dieser ganz besonderen Ausprägung nur in unserem Dorf gibt!

Bürgergemeinde Unterägeri / Chlauseslä

Weinmonat 2007

Text des Flugblatts von Ende Oktober 2007 an alle Haushaltungen von Unterägeri



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© 2003- by Chlauseslä Unterägeri, Alle Rechte Vorbehalten

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© 2003- by Chlauseslä Unterägeri

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